Wenn sich jemand dafür entscheidet, sich beruflich zu verändern und seinen Arbeitsplatz zu verlassen, kann es sinnvoll sein, mittels Exit-Interviews herauszufinden, welche Umstände diese Entscheidung beeinflusst haben.
Hat der Mitarbeitende einfach ein Angebot von einem anderen Arbeitgeber bekommen, das er nicht ablehnen konnte? Oder gibt es Punkte, aus denen er früher oder später sowieso gegangen wäre? Wie können Sie verhindern, dass dies auch mit weiteren Mitarbeitenden passiert?
In diesem Artikel erfahren Sie, welche Vorteile Ihnen ein Exit-Interview bringt und was Sie bei der Durchführung beachten müssen.

Wenn Sie Exit-Interview bei Google suchen, erhalten Sie eine endlose Auswahl von Vorlagen. Sollten Sie viele von ihnen lesen, wird dies schnell langweilig. Allerdings auf eine Art, die es schwer macht, sich für die beste Version zu entscheiden.
Es gibt mehr und weniger detaillierte Formen von Exit-Interviews. Abschließend werden Sie gebeten, in einer Box anzuklicken, aus welchen Gründen Sie das Unternehmen verlassen haben, wie zum Beispiel «besseres Gehalt», «bessere Karrierechancen» oder «Ruhestand». Welche Art von Informationen würden Sie aus einer solchen Befragung erhalten? Und könnten diese genutzt werden, um Arbeitssituationen für bleibende Mitarbeitende zu verbessern, sodass sie nicht ebenfalls gehen? Eher nicht, oder?
Weshalb Exit-Interviews sinnvoll sind
Nicht nur in Zeiten des Fachkräftemangels verursacht ein motivierter Mitarbeitender, der das Unternehmen verlässt, sowohl wirtschaftliche als auch menschliche Verluste. Um künftigen Wissens- und Produktivitätsverlusten vorzubeugen, ist es hilfreich, durch eine Austrittsbefragung zu dokumentieren, warum Mitarbeitende ausscheiden und, falls erforderlich und möglich, Veränderungsmaßnahmen vorzusehen. Die Antworten geben Aufschluss darüber, warum sie das Unternehmen verlassen haben, wie sie die Arbeitsplatzsituation einschätzen und was ihrer Meinung nach getan werden sollte, um die Attraktivität des Arbeitsplatzes zu steigern.
Warum ausscheidende Mitarbeitende befragen?
Die Durchführung von Exit-Interviews ist ein wichtiger Bestandteil von Mitarbeiterbefragungen. Mit Exit-Interviews erhalten Sie Informationen darüber:
- warum Mitarbeitende das Unternehmen verlassen.
- wie Mitarbeitende die Arbeitssituation im Unternehmen einschätzen.
- was nach Ansicht der Mitarbeitenden verbessert werden müsste, um den Arbeitsplatz attraktiver zu machen.
Download: Zehn Tipps: Wie Ihnen Online-Befragungen im HR-Bereich helfen können
Mit Exit-Interviews Evaluationen des Unternehmens erhalten
Wenn ein Mitarbeitender das Unternehmen verlässt, sende ich ihm ein Exit-Interview per Mail. Diese Art der Befragung führe ich kontinuierlich durch, was mir die Möglichkeit gibt, stets aktuelle Ergebnisse zur Verfügung zu haben und die Antworten im Zeitverlauf miteinander vergleichen zu können. Fragen, die ich in einer Exit-Befragung stelle, sind beispielsweise: Warum verlassen Sie unser Unternehmen? Wie zufrieden waren Sie mit den folgenden Aspekten: Fortbildungsmöglichkeiten, Kollegen, Management und Arbeitsaufgaben? Außerdem frage ich, ob ausscheidende Mitarbeitende unseres Unternehmens in Ihrem Netzwerk empfehlen würden. Wichtig ist, dass die Fragen Antwortalternativen mit sowohl Checkboxen als auch Textfeldern bieten. Dies macht es möglich, die Ergebnisse in übersichtlichen Statistiken zu sehen, als auch in längeren Textantworten.
Wie ein Exit-Interview aufgebaut sein sollte
Bei der Durchführung von Exit-Interviews erziele ich höhere Teilnehmerquoten, wenn ich mehrere kurze Fragen stelle anstatt weniger Fragen mit detaillierten Antwortoptionen. Dadurch erhalte ich auch mehr Daten, die verglichen werden können, und das macht es einfacher, sich wiederholende Details zu erkennen. Versuchen Sie, die Befragung so kurz wie möglich zu halten sowie komplexe und verpflichtende Fragen zu vermeiden. Vergessen Sie nicht, zu Beginn der Befragung anzuführen, wie sehr Ihr Unternehmen es begrüßt, dass der ausscheidende Mitarbeitende seine Meinung äußert, und wünschen Sie den Teilnehmern am Ende der Umfrage alles Gute für die Zukunft.
Exit Interviews – so geht’s richtig
Die meisten großen Unternehmen führen Exit-Interviews mit Mitarbeitenden, die das Unternehmen freiwillig verlassen. Die finale Möglichkeit zur Abrechnung? Muss es nicht sein, wenn das Interview richtig geführt wird.
Niemand hat wirklich «Nichts mehr zu verlieren» – auch dann nicht, wenn man ein Unternehmen freiwillig verlässt und bereits einen neuen Job gefunden hat. Wer Ehrlichkeit einfordert, muss die Wahrheit über das Innenleben des Betriebs auch aushalten können. Ein ehrlicher, dennoch nüchterner Blick ist gefragt.
Der Ansprechpartner ist entscheidend
Gerade in größeren Organisationen muss der Ansprechpartner mit Verstand gewählt werden. Der direkte Vorgesetzte des scheidenden Mitarbeitenden ist oft die erste Instanz. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass man Probleme im Management nur aufdecken kann, wenn man eine Atmosphäre des Vertrauens schafft. Das Exit-Interview sollte also am besten von der HR-Abteilung direkt geführt werden.
Nichts geht ohne gutes Timing
Stellen Sie sicher, dass Sie den Mitarbeitenden von der Bedeutung des Exit-Interviews überzeugen. Machen Sie deutlich, dass Ihnen das Feedback wichtig ist und dass Sie planen, den Erkenntnissen auch Taten folgen zu lassen. Händigen Sie ein eventuelles Arbeitszeugnis vor dem Exit-Interview aus, so stellen Sie sicher, dass der Mitarbeitende keine Konsequenzen mehr zu fürchten hat. Sie planen die gewonnenen Erkenntnisse mit Vorgesetzten und Kollegen zuteilen? Fragen Sie beim scheidenden Mitarbeitenden nach, ob dieser damit einverstanden ist.
Hören Sie nicht nur was Sie hören wollen
Beim Exit-Interview ist es entscheidend, dass Sie aktiv zuhören, statt selbst viel zu reden. Fokussieren Sie sich auf die Wertschätzung des Mitarbeitenden anstatt Kritik an Ihrem Unternehmen zu verteidigen. Bedenken Sie: Oft kommen Mitarbeitende ins Unternehmen zurück, wenn sie das Gefühl haben, dass aktiv am gegebenen Feedback gearbeitet wurde.
Haken Sie Kritik nicht einfach ab
Oft sind Exit-Interviews Teil einer generellen HR-Strategie. Sie werden geführt, weil sie geführt werden müssen. Dabei machen sie nur Sinn, wenn Sie das gewonnene Feedback auch ernst nehmen und mit der Kritik arbeiten. Während so mancher Mitarbeitende das Unternehmen aus persönlichen Gründen verlässt, werden Sie sich wiederholende Kündigungsgründe erkennen – schlechte Bezahlung, mangelnde Wertschätzung, hoher Druck. Setzen Sie dort an und schaffen Sie eine Organisation, in der sich Ihre Mitarbeitenden wertgeschätzt fühlen.
Erfolgreiche Exit-Interviews
Ein Exit-Interview ist meiner Ansicht nach erfolgreich, wenn der ausscheidende Mitarbeitende das Gefühl bekommt, dass uns seine Meinung wichtig ist. Gelungen ist die Befragung außerdem, wenn wir Informationen darüber erhalten, was an der Arbeitssituation als positiv empfunden wurde und was nicht. Die Antworten helfen uns dabei zu erkennen, was wir bei unserer täglichen Arbeit verbessern können.
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