Es ist sicherlich kein Modewort für Stress: Burnout – zu Deutsch: „Ausgebrannt“. Von extremen Leistungsdruck ausgelöst, ist das oft auch im Deutschen als „Burnout” bezeichnete Phänomen mit Symptomen wie Erschöpfung, Depression und der Unfähigkeit einfache Aufgaben auszuführen, verbunden. Der Begriff tauchte zum ersten mal in den 70ern auf, als der amerikanische Psychologe Herbert Freudenberger die Konsequenzen von starkem Stress im Zusammenhang mit sozialen Berufen beschrieb. Das Phänomen “Burnout” zieht sich heute jedoch durch alle Berufs- und Altersgruppen. Obwohl es ganz danach scheint, dass jeder betroffen werden kann, gibt es immernoch keine gefestigte Definition darüber, was Burnout wirklich bedeutet oder wie es diagnostiziert werden kann.

Das Ausmaβ des Gesundheitsproblems

Nicht zu vernachlässigen ist, dass das Krankheitsbild Burnout recht diffus und complex ist: Die Häufigkeit des Erscheinungsbild kann bis heute nur grob geschätzt werden – was nicht nur die Betroffenen, sondern auch deren Umfeld im Unklaren über das Problem lässt. Als Konsequenz im Arbeitsumfeld fragen die betroffenen Arbeitskräfte oftmals nicht (rechtzeitig) nach Hilfe. Viele können einfach nicht die frühen Warnzeichen erkennen – oder wagen es nicht, nach Hilfe zu fragen, was wiederum verschiedene Gründe haben kann.

Dass das Arbeitsleben einen entscheidenden Einfluss auf das Wohlbefinden jedes einzelnen hat, ist bekannt. Tatsächtlich haben 42% aller Arbeitskräfte schon einmal unter Arbeits-bezogenen oder psychischen Problemen gelitten. Stresstoleranz ist von Individuum zu Individuum unterschiedlich, daher sind einige anfälliger für Krankheiten, die mit Stress in Verbindung gebracht werden können. Die Stärke des Burnout-Syndroms ist ein weiterer Faktor in Bezug auf dessen Wirkung auf die Arbeitsleistung. Obwohl es bisher keine genauen Zahlen gibt, die Aufschluss über das Ausmaβ des Problems an europäischen Arbeitsplätzen geben, haben skandinavische Studien ergeben, dass die Häufigkeit von Burnout des höchsten Schweregrades zwischen 2-7 % liegt.

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Doch wer kümmert sich?

Heute ist das Burnout-Syndrom in der Tat lediglich in 39% der EU Länder als berufsbedingte Erkrankung anerkannt. Noch weniger Staaten bieten Kompensation für diagnostizierte Fälle. Allerdings wurde der Einfluss des psychosozialen Arbeitsumfeld auf unsere Gesundheit mittlerweile durch das EU Parlament erkannt, wodurch Systeme zur Datensammlung sowie Handlungsmaβnahmen zur Stressvorbeugung am Arbeitsplatz bereits initiiert wurden.

Weiterhin besteht die Frage: Wer ist für die Vorbeugung von psychischen Erfkrankungen verantwortlich – Der Staat? Der Arbeitgeber? Die Gesellschaft? Oder die Arbeitskräfte selbst? Die Antwort auf diese Frage kann sowohl einfach als auch schwer sein. Sicherlich sind alle Parteien in der Bekämpfung des Phänomens beteiligt.

Verlust für Gesundheit und Geschäft

Obwohl der Einfluss von arbeitsbedingtem Stress bzw. vermindertem psychischen Wohlbefinden auf die allgemeine Gesundheit und das Privatleben jedes Einzelnen offensichtlich ist, haben viele noch nicht dessen Ausmaβ auf die betriebliche Leistung erkannt. Studien lassen vermuten, dass der Effekt von Burnout Unternehmen jährlich zwischen 125 und 190 Millionen USD an Gesundheitsleistungen kosten. Jedoch ist der gröβte Teil der Burnout-Folgen in Arbeitsausfall, erniedrigter Produktivität, und Talentabwanderung versteckt. Allein Multitasking erhöht die Zeit für das Erledigen einer einzelnen Aufgabe um 25%. Studien, welche die Komplexität von Burnout-bezogenen Einflüssen mit einbeziehen, haben ergeben, dass die Auswirkungen der psychischen Erkrankung betriebliche Kosten mit bis zu 300 Millionen USD pro Jahr erzeugt.

Angesichts dieser Zahlen, kann es vielleicht als widersprüchlich angesehen werden, dass Maβnahmen noch nicht ausreichend effektiv sind, das Stressniveau am Arbeitsplatz zu mindern, um damit die Häufigkeit von Burnout und vermindertem psychischem Wohlbefinden der Arbeitskräfte zu senken. Schlieβlich könnten vorbeugende Programme Gewinn für beide Seiten bedeuten: Sowohl das Unternehmen als auch die Leute, die hinter diesem stehen.

Wie man Risiken erkennt, bevor es zu spät ist

Haben Sie es nicht kommen sehen? Dies ist vermutlich keine Frage, mit welcher Sie konfrontiert werden wollen. Und Erfahrung hat gezeigt: Sie kann vermieden werden – wenn man Arbeitskräfte nach Ihrem Wohlbefinden fragt. Es mag vielleicht zu einfach klingen, jedoch ist mehr Aufmerksamkeit oft der erste Schritt für das Finden einer angemessenen Lösung.

Es gibt viele Wege, wie das Wohlbefinden von Arbeitsnehmern gemessen werden kann. Einer der effektivsten Methoden sind jedoch Umfragen für Echtzeit-Einblick. Jedes Unternehmen hat unterschiedliche Bereiche, an welchen Arbeitnehmer Stresssituationen ausgesetzt werden können. Auch ist das Design von Vorbeugungsmaβnahmen von einer Reihe von Faktoren abhängig. Wie Sie sicher selbst erkennen, gibt es unterschiedliche Weisen (in unterschiedlichen Situationen) mit Stress umzugehen. Daher sollten Umfragen, die auf das psychische Wohlbefinden von Mitarbeitern an Ihrem Arbeitsplatz abgezielt sind, so offen wie möglich gehalten werden. Ein Fragebogen könnte beispielsweise die folgenden Aspekte beinhalten:

• Wie sieht der Arbeitstag / die Arbeitswoche des Mitarbeiters aus? Sind Aufgaben ausgeglichen verteilt und gibt es Zeit für Erholung?
• Wie wird mit Stress umgegangen? Gibt es Anzeichen darauf, dass das Privatleben beeinträchtigt ist (z.B. Schlafverhalten)?
• Was kann der Arbeitgeber dazu beitragen, dass es möglich ist, klare Linien zwischen Arbeit und Privatleben zu ziehen?
• Ist Hilfe verfügbar? Und wissen Arbeitnehmer, wohin sie sich wenden können?